Heisberg zeigt Geschichte, Gemeinschaft und dörfliche Lebensqualität
Orte genauer in den Blick nehmen, die für ein Dorf identitätsstiftend sind, Besonderheiten abseits der Hauptstraße entdecken und Arbeitsschwerpunkte des jeweiligen Heimatvereins kennenlernen: Das sind die Ziele der Ortsbegehungen, die fest zum Jahresprogramm der Arbeitsgemeinschaft Freudenberger Heimatvereine (ARGE) gehören. Dabei nimmt die ARGE immer eines 17 Freudenberger Stadtteile in Augenschein. In diesem Jahr war Heisberg Ziel der Begegnung.
„Zuletzt trafen wir uns hier im Jahr 2003“, erinnerte ARGE-Vorsitzender Bernd Brandemann. Er dankte dem Vorsitzenden des Heimatvereins, Thomas Bücher, sowie Ortsheimatpfleger Gerhard Moisel für die Vorbereitung vor Ort.
Die beiden Gastgeber begrüßten die zahlreichen Gäste unter der rund 400-jährigen Eiche neben dem Backes, dem Ausgangspunkt der Wanderung durch und um den Ort. Gerhard Moisel, als „Primas“ der Siegerländer Familienforschung bekannt, erwies sich dabei auch als profunder Kenner der Heisberger Ortsgeschichte.
Der Heisberger Backes beherbergt seit 1838 unverändert seinen Backofen. Nur das Gebäude drumherum veränderte sich im Laufe der Zeit: In den 1930er-Jahren ersetzte ein Klinkerbau das frühere kleine Fachwerkgebäude, seit 1998 steht an dieser Stelle der heutige, deutlich vergrößerte Backes. „Damit und mit den damals begonnenen Aktivitäten hat Heisberg einen wesentlichen Impuls für das Wiederaufleben der alten Backtradition im Siegerland geleistet“, rief Bernd Brandemann in Erinnerung.
Für die Jüngsten des Dorfes errichtete der Heisberger Heimatverein 2005 an der Oberen Hofwiese einen Kinderspielplatz. Oberhalb davon folgte 2006 der Bau einer Garage für die Gerätschaften des Vereins; im Dachgeschoss lagern seither die für den Backes benötigten Schanzen.
An den Spielplatz schließt sich der von Oberfischbach kommende Wanderweg an, der hier zugleich Teil des Jakobsweges und des Elisabethpfades ist. Auch Pilger nutzen den Rastplatz an der Borneiche. Eine Infotafel erinnert dort an das 19 Jahre dauernde Flurbereinigungsverfahren, das 2007 abgeschlossen werden konnte.
Der Weg in Richtung „Zum Sonnenblick“ eröffnete den Gästen weite Ausblicke auf die Landschaft rund um Heisberg. „Alle Flächen werden bewirtschaftet, es gibt keine Brachflächen“, berichtete Gerhard Moisel. Er zeigte außerdem den Bereich, für die die Stadt einen Bebauungsplan zur „Photovoltaikanlage Schelderseifen“ auf den Weg bringen will. Zudem wies er auf eine Heisberger Besonderheit hin: Der Ort war einst von zahlreichen Obsthöfen geprägt, die bis heute erkennbar sind. Ein Pfarrerssohn machte sich in den 1820er-Jahren als ausgewiesener Pomologe für die Obstbaumzucht stark.
Insgesamt unterhält der Heimatverein, auch entlang des Wanderweges F9, 17 Ruhebänke. Ein Teil davon wurde gerade frisch renoviert. „Mit unbehandeltem Douglasienholz haben wir beste Erfahrungen gesammelt“, hieß es dazu. Beim „Heisberger Fotoblick“ oberhalb des alten Grauwacke-Steinbruchs ergänzt eine von Westnetz gestiftete Rothaarbank das Angebot zum Verweilen.
Weit über Freudenberg hinaus bekannt ist der Begriff „Heisberger Bahnhof“ – ein Landschaftsteil, der allerdings nie eine Bahnschiene gesehen hat. „Die Stelle an der Kreuzung zwischen Heisberger Straße und Oberschelder Straße könnte früher einmal Endpunkt einer Vorspannstation gewesen sein“, vermutete Gerhard Moisel. „Ganz sicher weiß es niemand mehr, der Name hält sich aber nach wie vor.“
Am Berghang im Wald unterhalb des Heisberger Windrades zeigten Gerhard Moisel und Thomas Bücher ihren Gästen den „Otto-Brunnen“. Selbst in heißen Sommern sei die Quelle nie versiegt. Im Volksmund trägt die Stelle, an der Kenner frisches „Heisberger Wasser“ zapfen, ihren Namen zur Erinnerung an den örtlichen Maurermeister Otto Holdinghausen, der einst für die steinerne Umfassung sorgte.
Der Heisberger Friedhof, markant auf der Höhe gelegen, bildete die letzte Station des Rundgangs. 1891 legten ihn die Dorfbewohner an, nachdem der bis dahin genutzte Kirchhof rund um die Oberfischbacher Kirche zu klein geworden war. Nach der Chronik fand im März 1892 hier die erste Beisetzung statt. „Ein altes Stück Heisberg“, sagte Moisel. Nach seiner Recherche sind seitdem 167 Personen auf dem Friedhof beerdigt worden. 2011 einigten sich Heimatverein und Stadt auf den Erhalt der Anlage, die seither ehrenamtlich gepflegt wird.
Seit 2022 erinnert dort außerdem ein Denkstein an die neun Toten der beiden Weltkriege aus Heisberg. „Davon gehören drei Söhne und ein Schwiegersohn allein einer Familie an“, berichtete Gerhard Moisel über dieses Schicksal.
Bei einer Stärkung rund um den Backes richtete Gerhard Moisel den Blick auf den in Sichtweite liegenden Dorfweiher. Als solcher ist er derzeit nicht mehr zu erkennen: Nach einer im Dezember 2020 beendeten IKEK-Sanierungsmaßnahme verflüchtigte sich das Wasser bereits im darauffolgenden Februar. Zahlreiche Untersuchungen brachten bislang kein Ergebnis zur Ursache des Wasserverlustes. Der Heimatverein hatte für die Maßnahme eine Eigenbeteiligung von 12.500 Euro zur Verfügung gestellt und bekräftigt weiterhin das Ziel, an dieser Stelle wieder einen Dorfweiher zu erhalten. Moisel erläuterte den historischen Zusammenhang: „Der Weiher trennte in seiner Funktion als Löschteich den Backes vom Dorf.“ Damit sei er ein wichtiger Teil der Dorfgeschichte.
Die Gäste zeigten sich von der neuerlichen Ortsbegehung beeindruckt. Heisberg ist zwar vom starken Durchgangsverkehr geprägt, punktet aber links und rechts der Ortsdurchfahrt mit dörflicher Lebensqualität und einem aktiven Gemeinschaftsgeist. Der Ort blickt auf eine mindestens 684-jährige Geschichte zurück. An die Ersterwähnung im Jahr 1342 erinnerte die Dorfgemeinschaft 2017 mit einer 675-Jahr-Feier. Heute leben in dem gut zwei Quadratkilometer großen Ort rund 200 Einwohnerinnen und Einwohner; damit gehört Heisberg zu den kleineren Freudenberger Stadtteilen. Die Entwicklung des eigentlichen Dorfes lässt sich mit dem 14. Mai 1754 verbinden, als die vier herrschaftlichen Hofhäuser durch die letzten Pächter in Privatbesitz übernommen werden konnten.
Das Fazit der Freudenberger Heimat-Aktiven fiel entsprechend positiv aus: „Wir haben viel gesehen und gelernt. Große Anerkennung gilt den Leistungen des Heimatvereins in Heisberg und seinem Engagement für Zusammenhalt und Lebensqualität.“















